Das eigene Leben und die Laufbahn aktiv gestalten!

Die Arbeitswelt 4.0 enthält Chancen und Spielräume für Menschen, die ihre Laufbahn und Biografie aktiv mitgestalten wollen. Aus- und Weiterbildung, auch in Form informeller aber regelmässiger Kompetenztrainings im Arbeitskontext sowie im privaten Umfeld, sind wichtig, um die eigene Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten und weiterzuentwickeln. An die Stelle von Berufen mit Zukunft treten Menschen mit Zukunft: die Lebensgestalter*innen.

Ein Beitrag von Reinhard Schmid, dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberater, S&B Institut für Berufs- und Lebensgestaltung. 

Lebensgestalter*innen sind Menschen, die selbstbewusst denken und handeln. Sie betrachten ihr Leben als Unternehmen, welches sie nach eigenen Wert- und Zielvorstellungen gestalten. In Krisensituationen fallen sie nicht in eine Opferrolle. Aktives Anbieten anstelle des passiven Abwartens. Eigeninitiative statt verordneter Laufbahn. Ein Fächer von Fähigkeiten und kein hermetischer Beruf. Die meisten Merkmale von Lebensgestalter*innen zeigen in Richtung Selbstständigkeit – Selbstständigkeit als innere Haltung. Allen Lebensgestalter*innen gemeinsam ist ein besonderes Entwicklungsbewusstsein, innerhalb dessen selbstorganisiertes und lebenslanges Lernen als integraler Bestandteil verinnerlicht und aktiv gelebt wird.

Klarheit über das eigene Portfolio

Lebensgestalter*innen setzen sich proaktiv mit der eigenen Laufbahn auseinander und definieren ihren individuellen Weg der Weiterbildung und persönlichen Entwicklung. Im Sinne eines selbstorganisierten Lernens sind sie in der Lage zu überprüfen, wie es um ihr eigenes Fähigkeitsportfolio steht. Bei ihrer Tätigkeit analysieren Lebensgestalter*innen, welche Wissens- und Kompetenzlücken vorhanden sind und nehmen das Schliessen dieser Lücken selbst in die Hand. Erfolgreich abgeschlossene Zusatzausbildungen oder erworbene Zertifikate sind ein Baustein dieses Portfolios, denn sie verbessern die beruflichen Chancen und verleihen persönliche Sicherheit. Neben diesem Wissensaufbau ist die Entwicklung und das regelmässige Training verschiedenster Kompetenzen aber ebenso wichtig, um die eigene Arbeitsmarktfähigkeit qualitativ steigern zu können.

Mehr Chancen im Arbeitsmarkt zu haben, hängt eng mit den erworbenen Qualifikationen, vor allem aber mit den vorhandenen Kompetenzen zusammen. Kompetenzen sind Fähigkeiten, die ein Mensch umgesetzt hat und auch anwenden kann. Beispiele sind die Team-, Konflikt- oder Entscheidungsfähigkeit. Im Unterschied zu Wissen ergibt sich betreffend Kompetenzen deshalb die Besonderheit, dass diese nur bei regelmässiger Erprobung, sprich durch Training, aufgebaut und verfeinert werden können. Um Kompetenzen aufzubauen, reicht es also nicht nur ein Buch zu lesen oder eine Fortbildung zu besuchen, sondern es empfiehlt sich die Kompetenzen innerhalb der beruflichen Tätigkeit sowie im Privatleben konkret zu üben.

Die verschiedenen Fähigkeiten, welche sich die Lebensgestalter*innen erworben haben, ergeben ihr persönliches Portfolio, mit dem sie auf den Arbeitsmarkt gehen. Der Begriff des persönlichen Portfolios – entlehnt aus der Börsensprache – umschreibt, was immer mehr Personen haben: nicht mehr nur einen klar umrissenen Beruf, sondern ein Spektrum verschiedener Fähigkeiten. Eben ihr Portfolio. Wenn etwas daraus wegfällt, weil es zum Beispiel von der technischen Entwicklung überholt worden ist, behält dennoch ein Teil der ehemals erworbenen Fähigkeiten ihren Wert. Das Angebot, welches Lebensgestalter*innen ihren Arbeitsgebern machen können, umfasst also mehr als nur die Ausübung eines Berufs. Voraussetzung dazu ist allerdings, dass Lebensgestalter*innen ein klares Bild über Umfang und Wert ihres persönlichen Portfolios haben und dieses auch aktiv nach aussen vertreten können.

Mehr Vielfalt dank aktiver Lebensgestaltung

Immer mehr Leute üben mehrere «Berufe» gleichzeitig nebeneinander aus. Das ist Lebensgestaltung pur. Triebfeder bei den modernen «Mehrfachberuflern» ist nicht nur die materielle Notwendigkeit, sondern die Freude an einer bestimmten Tätigkeit oder die Begeisterung für ein neues Gebiet, die immer wichtiger werden.

Moderne Bereiche wie die digitalen Medien, aber ebenso traditionelle Branchen, bieten sich für dieses Modell der Lebensgestaltung an. Nebenjobs sind für die Lebensgestalter*innen oft die Möglichkeit für einen sanften Einstieg in eine neue Welt. Die Arbeit in ihrem Nebenjob, sofern dieser nicht nur aus materiellem Zwang gewählt wurde, bietet den Lebensgestalter*innen zusätzliche Befriedigung, Erfüllung und Motivation und kann gleichzeitig der erste Schritt auf beruflichem Neuland sein, ohne den Boden unter den Füssen vollständig zu riskieren.
Solche Wechsel haben eine stärkende Wirkung auf die allgemeine Arbeitszufriedenheit eines Menschen. Jede Berufstätigkeit hat nämlich auch so etwas wie ein «inneres Ablaufdatum».

Wie wird man zur Lebensgestalter*in?

Der erste Schritt führt meistens über eine intensive Analyse der aktuellen Situation im Beruf und im Privatleben. Dabei werden Interessen, Fähigkeiten, Kompetenzen und persönliche Werte ebenso festgehalten wie berufliche Ziele und Realisierungsmöglichkeiten. Solche Standortbestimmungen können von den betroffenen Menschen autodidaktisch mit geeigneten Hilfsmitteln (siehe Literaturtipps) durchgeführt werden oder sie nehmen an Seminaren zum Thema Laufbahnplanung teil. In einem ersten Schritt können Bankmitarbeitende und andere interessierte Personen ihre eigene Kompetenz-Fitness vertraulich und anonym im Rahmen der Kampagne skillaware hier testen.

Auch Unternehmen gehen mit gutem Beispiel voran und machen sich dieses brachliegende Entwicklungspotenzial zunutze: Mehr und mehr Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden persönliche Karriere- und Laufbahnplanung in Sinne einer Weiterbildung an. Sie können Teilzeitarbeit für Männer und Frauen fördern, interne Weiterentwicklung im Sinne des Portfolio-Ansatzes ermöglichen und berufsfremde Erfahrungen anerkennen. Dies liegt in der Verantwortung der Unternehmen. Der bewusste Umgang mit dem eigenen Berufsleben sowie die notwendigen aktiven Schritte gehören zur Eigenverantwortung der zukünftigen Lebensgestalter*innen.

Mit verhältnismässig wenig Aufwand kann die eigene Persönlichkeitsentwicklung angestossen und in Bewegung gesetzt werden. Viele professionelle Coaches bieten entsprechende Beratungs- und Seminarkonzepte an. Innerhalb der Kampagne skillaware kann das eigene Kompetenzportfolio mit Expert*innen in einem Orientierungsgespräch besprochen und geeignete Massnahmen für die Entwicklung definiert werden. Mehr Informationen zu den Orientierungsgesprächen und eine Liste mit den skillaware Kompetenz- und Laufbahnexpert*innen finden sie hier.

Reinhard Schmid ist dipl. Berufs-, Studien- und Laufbahnberate, Gründer des S&B Instituts für Berufs- und Lebensgestaltung und Verfasser des „Laufbahn-Portfolio für Berufstätige“.

Literaturtipps

Laufbahn-Portfolio für Berufstätige
Medienverbund zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Arbeitsmarktfähigkeit

Ob auf der Suche nach dem Traumjob, vor einer Neuorientierung, einer selbstständigen Tätigkeit oder einer Weiterbildung – mit dem Laufbahn-Portfolio erarbeiten sich Berufstätige Erkenntnisse, die ihnen aufzeigen wo sie die Prioritäten setzen müssen um erfolgreich zu sein. Das Laufbahn-Portfolio für Berufstätige ist autodidaktisch aufgebaut und kann selbstständig durchgearbeitet werden.
ISBN 978-3-905153-91-0
CHF 60.00

Lebensunternehmer, Peter Baumgartner

Ein Workshop in Buchform für Menschen, die ihr Leben selbst gestalten wollen. Konkrete Handlungsaufforderungen, gemischt mit lebendigen Geschichten, animieren die Leserinnen und Leser dazu, sich auf den Weg zu neuen Lösungen zu machen.
ISBN 978-3-905153-54-5
CHF 36.00

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